Wie kann man denn in der heutigen Zeit noch auf die Idee kommen, über eine Unternehmensgründung überhaupt nur nachzudenken? Und das auch noch in Deutschland – wo man es den Gründern nun wirklich nicht einfach macht. Wagemut? Blinder Idealismus? Selbstüberschätzung?

Nein! Auch wenn einem das nicht selten unterstellt wird…
Meine Gründungsgeschichte setzt sich aus einer ganzen Reihe verschiedenster Erfahrungen und Erkenntnissen zusammen, untrennbar ist sie aber insbesondere mit meiner Dokumentarreise zusammen mit 13 Unternehmern und dem Unternehmercoach Stefan Merath verwoben. Damals noch bei ihm angestellt, war es meine Aufgabe, die Reise und die Geschichten zu dokumentieren, um daraus einen kleinen Film zu späteren Vermarktungszwecken zu produzieren. Von ihm hatte ich bis dahin schon vieles darüber gelernt, wie wichtig und wie effektiv gezieltes Storytelling, und wie groß der Mehrwert für potentielle und bestehende Kunden ist, wenn ein Angebot oder Produkt „erlebbar und spürbar“ gemacht wird.

Meine Vorfreude auf diese Reise hielt sich über Monate hinweg konstant extrem hoch. Je näher der Tag des Abflugs rückte, umso aufgeregter war ich. All das angestaute Adrenalin, ließ mich jede noch so große Herausforderung im Vorfeld mit Leichtigkeit meistern – und so brachte mich noch nicht einmal die Tatsache aus dem Konzept, dass die Drehgenehmigung des Grand Canyon National Park Service erst zwei Tage vor Abflug eintrudelte.  Mein Optimismus begründet in der Begeisterung für die Sache, ließ keinen Gedanken daran zu, dass da doch noch irgendwas schief laufen könnte.

Und dann fand ich mich wenige Tage später ausgetrocknet in sengender Hitze mitten im Grand Canyon wieder. Fertig mit den Nerven, körperlich am Anschlag, da ich „vergessen“ hatte, mich für den Aufstieg mit ausreichend Wasser zu versorgen. Der Gruppe hinterherhetzend, die Kamera in der Hand hörte ich eine Stimme sagen: Du musst das hier genießen! Aber wie konnte ich?! Ich war nur am Hinterherrennen. Ich jagte den Protagonisten nach – vor allem aber jagte ich meinen eigenen Erwartungen nach, die – wie ich später erkannte, nicht mal meine eigenen waren. So war es – ich war auf der Jagd, nicht auf einem Trip, der mir Selbsterkenntnis bringen sollte. Oder doch? Bis zu diesem Moment rannte ich völlig fremdbestimmt hinter unerreichbaren Ansprüchen her. Ich blieb stehn. Ich blieb einfach stehen und mein Blick fiel auf eine kleine Felsspalte. Da war etwas seltsam – etwas ganz natürliches erschien mir grotesk unnatürlich: Da war ein kleiner Felsbrocken in der Form eines Herzens in dieser kleinen Felsspalte. Ich blieb stehen und betrachtete diese außergewöhnliche Formation. Wir waren umgeben von diesem Gestein. Gestein, das sich über Jahrtausende hinweg geformt hat. Auf den ersten Blick sah in dieser Einöde alles gleich aus. Und dann dieser Herz-Stein mitten im Nirgendwo. Ein klassischer „Pattern interupt“, wie ihn uns weder Stefan noch Andreas, der zweite Coach, nicht besser hätte liefern können.

Will ich mein Leben fremdbestimmt und damit äußeren Anforderungen hinterherjagend verbringen? Oder will ich selbst über mein Leben entscheiden?

Die Antwort war völlig klar! Selbstbestimmt will ich sein! Wollte ich schon immer! Es war mir schon immer zuwider, allein den Erwartungen anderer gerecht zu werden. Selbstbestimmt also. Aber wie? Dazu musst Du wissen wer Du bist, was Du kannst und wohin Du willst. Auf die Zukunft und die lange Sicht hin gesehen, konnte ich das nicht in diesem Moment entscheiden – aber ich konnte es für DIESEN Moment entscheiden! Ich wollte diesen Film machen! Ich wollte diese Reise und diese grandiose Natur um mich herum mit jeder Pore aufsaugen! Und ich wollte die Protagonisten und mich selbst mit den Fragen konfrontieren, die einen zur Selbstreflexion zwingen. Und ich wollte daraus etwas Einmaliges kreieren.

„Wenn ich auf dieser Reise sterben würde – wäre es das wert gewesen?“,

fragte ich mich. Die Antwort war ein klares Ja! Wollte ich eine „gute Angestellte sein, ein angepasster Mensch?“ – Nein! Von diesem Moment ging ich mein eigenes Tempo, hatte einen klaren Fokus und war in der Lage klare Gedanken zu fassen. Dieser kleine unscheinbare Herz-Stein mitten im Nirgendwo eröffnete mir einen völlig neuen Blick auf völlig neue Möglichkeiten und ich sagte mir, wenn ich diese Reise überlebe (woran natürlich nicht der geringste Zweifel bestand), dann wird sich danach einiges in meinem Leben ändern. Und so war es. Und auch wenn es mich zunächst in meinem kleinen Ego kränkte, hatte Stefan das richtig wahrgenommen und auch die richtige Entscheidung getroffen, die es mir letztendlich erleichterte nun auch für mich die richtige Entscheidung zu treffen. Und so war die Idee geboren, mich selbständig zu machen und damit meiner Berufung und meiner ganz eigenen Vision zu folgen.