Alles beginnt in der Regel mit einem Anruf: „Wir könnten da ein Video brauchen…“
– Ok, schonmal die richtige Adresse gefunden…
„…Produkte, die wir bewerben wollen…. Online-Shop“
– Hoffentlich keine Stricklieseln…
„Werbeartikel…“
– Unwillkürlich ploppt das Bild eines billigen Plastik-USB-Sticks auf…
„Es soll ein cooler Clip werden…“
– Fanfahrenzüge und Chorgesänge!!! Kreativität ist gefragt!!! Das Herz geht auf – die Plastiksticks unter…

Und eh man sichs versieht, fährt man mit völlig überladenem Auto ins fette Greenscreenstudio, vollbepackt mit jeder Menge Equipment und Requisite.
…zum Glück wird der Darsteller eigens aus Schweden eingeflogen…. der hätte nun wahrlich nicht mehr ins Auto gepasst…!

Da steh‘n wir nun, in schickes grün getaucht, von allen Seiten beleuchtet, Cam ready, Sound ready, Dancer ready. JETZT kanns losgehen!!

Der Schweiß perlt von der Stirn – eigentlich sind wir fertig… Jetzt muss alles sitzen, jeder Schuss passen, jeder Move in die richtige Richtung… Wird das Konzept, die wochen-/monatelange Planung, die Story, am Ende aufgehen…? So viele Arbeitsschritte gehen dem bis hierhin voraus.

Das Allerwichtigste: Kunde kennenlernen. Wie tickt er, was will er EIGENTLICH, für wen und wozu… Irgendwann dann ein Funke… eine Idee! Blödsinn! Wieder ein Funke… erstickt! Und wieder und wieder ein Funke, einer nach dem andern! Sie zischen noch einsam im Papierkorb dahin.

Und dann – da ist sie, DIE IDEE! Rumspinnen, durchdenken, verwerfen, ummodeln, nochmal neu denken, dann endlich – Das erste KONZEPT ist geboren! Da ist es – babyrosa duftend und wunderschön! Wir sind die Eltern… was soll ich sagen…

Dann kommt der Kunde, schaut sich das Frischgeschlüpfte an…

Wir vor Aufregung und Begeisterung mit weit aufgerissenen Mund und Augen, stolz auf die Ausgeburt unserer Gehirnwindungen und tagelangen brütens, vor Spannung platzend…
Und Kunde so: „Mhmm… das is ja ganz schrumpelig… kann nich laufen und schreit auch noch so komisch… Und wie meint ihr, soll das dann mal aussehen, wenns fertig ist…?!?!“
Und wir so: „……….!“

Es ist gar nicht so leicht, den Film, den man im Kopf hat anderen Menschen bzw. dem Kunden zu vermitteln. Wie soll das gehen – er ist ja bis dahin nur in unseren Köpfen… Kopfgeburten… Unser Learning aus zahlreichen Kundenpräsentationsversuchen: Es geht nicht! Was aber geht ist, den Kunden Teil haben lassen an unserer Begeisterung und dem grenzenlosen Vertrauen in uns selbst…

(close note: Nicht ohne den Gedanken: „Oh Gott! Kriegen wir das auch so umgesetzt“…?!“)

Aber: An Herausforderungen wächst man! Stillstand ist tödlich! Also hopp! Mit anderen Produzenten in den Erfahrungsaustausch gehen, Tutorials konsumieren, Templates runterladen und ausprobieren was das Zeug hält. Learning by doing. Und – yep. Wir sind ready!

Ein Tag Setaufbau mit Licht setzen, Kamera einstellen, Requisite zusammenschrauben, Aufnahmen checken und dann ist der große, alles entscheidende Tag gekommen! Der Darsteller ist wohlbehalten gelandet, hat gemütlich und umsorgt auf der Couch genächtigt und alle sind gemeinsam auf dem Weg zum Studio. Dort angekommen… ist er erstmal weg… Frühstück organisieren… Ok! Kostet uns rund 500€/Stunde – aber hey. Was sein muss, muss sein. (Frei nach dem Zen-Motto: Ändere was Du ändern kannst, akzeptiere, was Du nicht ändern kannst.) Oooooohm…

Irgendwann kann‘s dann wirklich losgehen. Und – unsre Geheimwaffe ist einfach phänomenal! Er setzt direkt um, was er an Regieanweisungen bekommt, bringt super Eigeninput und ist auf den Punkt da! Es macht einfach Spaß mit Profis zu arbeiten. Nach ca. 3 Stunden haben wir alle Einstellungen im Kasten. Unser Praktikant John zieht fleißig immer wieder das grüne Tuch zurecht und schießt tolle Set-Fotos. Am Ende kommt er zu mir und sagt: „Hey! Das hat richtig Spaß gemacht mit euch! Wie ihr zusammen arbeitet ist echt der Wahnsinn. Das habe ich so noch nie erlebt – kein Stress, kein Streit, alles läuft super Hand in Hand.“ Ja – der Spaß bei und an der Arbeit ist uns ganz wichtig! Unser Motto lautet: gehirnt und diskutiert wird in der Vorbereitungsphase. Da kann‘s auch gerne mal heiß hergehen, besonders weil ich immer so versessen auf Story u. Logik bin während Jakob, seineszeichens best cutter ever, gerne einfach nur schöne Bilder u. Einstellungen haben möchte. Im Vorfeld werden dann aber Kompromisse geschlossen u. Entscheidungen gefällt. Beim Drehtag selbst kommen trotz bester Planung immer Eventualitäten dazwischen, von denen man sich einfach nicht aus der Ruhe bringen lassen darf. (…wenn z.B. der Darsteller ne Stunde mal einfach so verschwindet…)

Am Ende des Tages sind wir alle zufrieden – wenn auch leicht irritiert über den nahezu perfekten Ablauf.

Nicht dass die Arbeit jetzt getan ist… Jetzt geht sie erst so richtig los – in der Postproduktion. Jakobs Schlachtfeld! Doch dazu mehr im nächsten Blog…